6.07.17

Was kostet eine Franziskanerprovinz?

Von: Pia Wohlgemuth, Franziskaner Mission München

Der steinige Weg der bolivianischen Franziskaner in die finanzielle Unabhängigkeit

In Bolivien gibt es viele caritative Werke der Franziskaner: Suppenküchen, Krankenstationen, Kindergärten und Sozialstationen. Diese leisten wichtige Arbeit, wollen aber auch finanziert werden. Auch Pastoralarbeit in den vielen Pfarreien kostet Geld. Die Entfernungen in Bolivien sind groß. So machen die Kosten für Fahrzeuge und Benzin in den riesigen Pfarreigebieten einen respektablen Posten aus. Dazu kommen noch die Materialien für die Schulung der vielen Gottesdiensthelfer auf den abgelegenen kleinen Dörfern. Der normale Lebensunterhalt der Brüder macht bei etwa 130 Franziskanern einen erheblichen Betrag aus.

Auch wenn diese bescheiden leben, so müssen doch Wohnung, Verpflegung und ärztliche Versorgung gewährleistet sein.

Der Generationenvertrag in Bolivien ist auch eine Herausforderung für die Provinz: Da es in dem Land kein Versicherungssystem und keine gesetzliche Rente gibt, sind die Kinder Teil der Alters- und Notvorsorge der Alten. Tritt der Sohn nun in den Orden ein, hat er kein eigenes Einkommen und kann die Familie nicht finanziell unterstützen. Für die Provinz stellt sich die moralische Frage, wie weit auch der Familie der Mitbrüder in Notlagen geholfen wird und welche Kriterien hier angesetzt werden.

Eine wichtige Investition in die Zukunft des Ordens und der Kirche ist auch eine umfassende Ausbildung. Für die jungen Brüder muss Noviziat und Studium finanziert werden.

Auch die von staatlicher Seite aufgebauten Hürden gegen die Kirche kosten nicht nur Kraft sondern auch Geld. So gibt es zum Beispiel für unsere caritativen Werke keine Steuererleichterung in Bolivien, die Ausbildung der Religionslehrer wird nicht mehr übernommen und vieles mehr.

 

Eine junge Provinz sucht ihren Weg

Seit 1920 kamen Missionare aus verschiedenen Europäischen Ländern, wie zum Beispiel Deutschland, Österreich, Italien, Spanien und Polen nach Bolivien. Ihr persönlicher Unterhalt und ihre Arbeit wurde von den jeweiligen Heimatprovinzen finanziert. Nach und nach entwickelte sich das Ordensleben in Bolivien, viele einheimische Brüder kamen hinzu und Bolivien gründete 1984 eine eigene Provinz. Ihr erster Provinzial war der bayerische Missionar Michael Brems. Zunächst war diese Provinz noch von der finanziellen Hilfe der Mutterprovinzen abhängig. Zunehmend wurde eine Unabhängigkeit angestrebt.

Durch die finanzielle Unabhängigkeit muss nun die bolivianische Franziskanerprovinz selbst für all das aufkommen. Eine Umstellung, die viel persönlichen Einsatz, guten Willen und auch viel Zeit braucht. Denn die Bevölkerung und die örtlichen Diözesen waren es gewohnt, dass die Franziskaner mit dem Geld aus Europa alle Kosten bestritten.

Woher Einnahmen nehmen, wenn Viele, vor allem auf dem Land, zu arm sind, den Obolus für Kindergarten, Krankenbehandlung oder Schule zu zahlen? Bolivien ist ein sehr armes Land. Was, wenn der örtliche Bischof nicht in der Lage ist, den Beitrag zur Pfarreiarbeit oder das Gehalt des franziskanischen Pfarrers zu zahlen?

In den franziskanischen Pfarreien wurde begonnen, den „Diezmo“ einzuführen. Mit der Abgabe des „Zehnten“ sollen sich die Gemeindemitglieder mehr für die Pfarrei verantwortlich fühlen. So können einige Aktivitäten, wie zum Beispiel Seniorennachmittage allein aus Mitteln der Gemeinde veranstaltet werden. Auch die Pfarreicaritas war früher ein Fremdwort und beginnt jetzt langsam Fahrt aufzunehmen.

Für deutsche Verhältnisse mag es wie ein Schneckentempo vorkommen und auch wir werden ab und an ungeduldig, aber man muss bedenken, dass die bolivianische Mentalität eine andere ist und die finanziellen Mittel eines Durchschnittsbolivianers sehr bescheiden sind.

Erfreulich ist, dass die franziskanischen Schulen Boliviens einen gewissen Gewinn erwirtschaften, der in den Haushalt der Provinz fließt.  Zudem gibt jede franziskanische Pfarrei einen Teil ihrer Einnahmen (zum Beispiel aus Messstipendien) an die Provinz ab, so gut es eben geht.

Alles in Allem ist die bolivianische Franziskanerprovinz auf einem guten Weg, doch bevor sie die finanzielle Unabhängigkeit umsetzen kann, wird es noch einige Zeit brauchen. In Bolivien wird der katholische Glaube mit Begeisterung und Offenheit gelebt. Gleichzeitig buhlen aber auch Sekten um Leichtgläubige und die Staatspolitik macht der katholischen Kirche das Leben schwer. Mit persönlichem und auch monetärem Einsatz ist es unsere Aufgabe und Berufung, den Menschen unsere franziskanischen und christlichen Werte auch weiterhin näherzubringen.

Wir danken Ihnen allen für Ihre treue Unterstützung auf diesem Weg!



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