21.12.17

"Von unten gehen"

Weihnachtsbrief des Franziskanerbischofs Antonio Reimann

Der Franziskanerbischof Antonio Reimann in Concepción, Bolivien

Der Franziskanerbischof Antonio Reimann in Concepción, Bolivien

"Von unten" Gehen

 Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt (Jn 1,14)

Liebe Schwestern und Brüder, Unterstützer unserer Mission.

Zu Beginn dieses Weihnachtsbriefes möchte ich ihnen von einer kurzen Reise nach La Paz erzählen, in die sogenannte Stadt der Höhen - "la ciudad de las alturas". Am 27. November fuhr ich von El Alto mit der berühmten Seilbahn runter nach La Paz. So konnte ich "von oben" die wunderbare Aussicht über die Stadt erleben, jedoch ohne die Menschlichkeit der Leute wahrnehmen zu können. Als ich ausstieg und die Füße wieder auf festem Boden hatte, bekam ich eine andere Sicht, einen Blick "von unten": Die Möglichkeit aus der Nähe zu sehen und die Menschen zu treffen, die Händler und Büroangestellten, Busfahrer und auch Demonstranten, die ihre Stimme erhoben, um gehört zu werden.

Dieses von unten schauen hat mich zum Nachdenken über das kommende, große Ereignis gebracht, die Geburt unseren Herrn Jesus Christus. Wir denken oft, dass wir einen Gott haben, der in der Höhe ist - "dort im Himmel" - und gerade Weihnachten erinnert uns daran, dass wir auch hier unten einen Gott haben, der Mensch geworden ist und unter uns gewohnt hat (Joh 1, 14), der sich erniedrigte (Phil 2,6-8), der einer von uns wurde, um uns die Liebe Gottes zu vermitteln, um den Beginn zu tun zum neuen Himmel und neuer Erde (Off 21, 2-4).

Dieses von unten gehen war auch für Jesus und seine Familie nicht von Beginn an einfach. Erinnern wir uns an den ersten Teil der Geschichte des "unten gehens", als Josef und Maria um Unterkunft baten, bis zu dem Punkt, an dem sie in einem Stall unterkamen (Lk 2, 7). Und auch sein öffentliches Leben - an der Seite der Armen gehen und die frohe Botschaft verkünden, die Gefangenen befreien und den Blinden das Augenlicht geben - war nicht ohne Opfer.

Im Bezug auf das "von unten" Gehen möchte ich mit ihnen zwei Erinnerungen teilen. Am Tag meiner Bischofsweihe schenkte mir Pfarrer Benedikt Grimm, ein Franziskaner aus Bayern, einen wunderschönen Kelch und sagte mir: "Möge Ihr Bischofsamt wie dieser Kelch sein, der unten einen festen Stand hat und nach oben offen ist, um Wein und Wasser zu empfangen". Heute verstehe ich, dass dies eine Einladung war, um auf der einen Seite nicht vor der manchmal schwierigen Realität zu flüchten und auf der anderen Seite die Einladung, immer für die Gnade und Liebe Gottes offen zu sein, um diese schwierige Realität verändern zu können.

Die zweite Erinnerung des "von unten Gehens" habe ich an den Besuch bei Papst Franziskus im September. Er bat uns Bischöfe nahe bei den Menschen zu sein, mit ihnen zu gehen, ihre Ängste und Hoffnungen zu teilen. Aber auf der anderen Seite sollten wir uns nicht vom Gebet lösen, uns Gott öffnen. Ich erinnere mich daran, dass der Heilige Vater uns fragte: "Wie betet ein Bischof?"

Mit den Menschen gehen; in diesem Rahmen möchte ich von einigen pastoralen Momenten und Aufgaben diesen Jahres berichten.

Im November hatten wir unsere Pastoralversammlung, bei der wir den Pastroalplan des Vikariats evaluierten, dessen Ziel lautet: "Wir möchten eine Kirche im Dienste des Wortes sein, bewegt vom Geist des Herrn, in missionarischem, barmherzigem und solidarischem Aufbrauch. Vor allem im Bereich Familie und Jugend."

Dies ist der Grund warum wir in diesem Jahr 2017, wie auch im vergangenen Jahr, weiterhin die Famillienseelsorge unterstützten, die Ausbildung der Katecheten in der "Schule San Jerónimo" in San Ramón.

Wir merken jedes Mal, dass es sich lohnt in die Kinder zu investieren und zwar durch das Missionswerk der Kinder und Jugendlichen. Aus diesen Gruppen treten immer wieder gute Jugendleiter hervor.

Zur Zeit findet sich ein Speisesaal für die Kinder der katholischen "Fe y Alegría" Schule der Gemeinde San Martín (Núcleo 14) in Bau. Parallel zur Schule betreiben die Franziskaner-Missionsschwestern vom Land ein Internat für Kinder deren Eltern nicht genug Geldmittel haben oder eine schwierige Situation leben.

In der Gemeinde Santiago Apóstol in Cuatro Cañadas, bieten die Franziskanerinnen der Buße und einige Laien unter der Woche im Pfarrsal Hausaufgabenhilfe für Kinder an und außerdem Mittagessen.

In der gleichen Pfarrgemeinde gibt es im Pastoralen Zentrum von Puerto Rico ein Heim für Mädchen aus den angrenzenden Dörfern, das von den Schwestern Siervas del Sagrado Corazón geleitet wird. Die Mädchen können so die Mittelschule in Puerto Rico abschließen. Außerdem ist es eine Chance eine wichtige menschliche und christliche Bildung zu erhalten für die zukünftigen Mütter.

Dieses Jahr haben wir auch eine Caritas Gruppe des Vikariats finanziell unterstützt, um Aktivitäten und Projekte realisieren zu können, wie zum Beispiel die "Aula für Senioren" in San Antonio de Lomerío. Hier gibt es für ältere Menschen verschiedene Angebote und Begleitung. "Produktiver Garten und Gewächshaus" in Concepción; "Indigenenpastoral" in Ascensión; "Begleitung von Häftlingen im Gefängnis" in San Julián; "Hilfe für Familien in Risikosituationen" in San Julián (sie können Fotos der Projekte und Aktivitäten in den Seiten der Kirchenzeitung des Vikariats 2017 finden).

Liebe Freundinnen und Freunde der Mission.

Mir ist bewusst, dass diese Werke, die einen kleinen Einblick in unser "von unten gehen" zeigen, dank ihrer Großzügigkeit möglich sind. Deshalb möchte ich ihnen, besonders allen Familien, schon im Voraus eine Umarmung Pax et Bonum, des Friedens und Guten zukommen lassen, im Herrn, geboren in Bethlehem und aus dem Glauben in unseren Herzen. Gleichzeitig wünsche ich ihnen, dass ein neues Jahr 2018 in uns allen den Wunsch weckt an der Seite des Herrn zu gehen, so wie es seine demütige Gottesmutter, die unbefleckte Jungfrau tat und so viele Männer und Frauen in der Kirche bis zum heutigen Tage tun, um so glückliche Zeugen "von unten" zu sein, von der frohen Botschaft unseres Herrn Jesus Christus.

 

Fraternalmente, + Antonio B. Reimann, OFM

Weihnachten 2017


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